Jahreshauptversammlung: Grünes Licht für Fackelhalle

Die Brauchtumsfreunde stimmten nach einigem Ringen dafür: Der BSV 1849 Grevenbroich soll die Fackelbau-Halle in Noithausen für mehrere Jahre anmieten. Das soll helfen, die Leuchtkunst-Tradition zu wahren. Verbunden ist das aber mit einer kräftigen Beitragserhöhung.

Die Mitglieder des BSV Grevenbroich haben bei einer mehr als dreistündigen Versammlung am Freitag, dem 6. Februar dicke Bretter gesägt: Nach langer Debatte konnten sie sich im Rittersaal des Alten Schlosses zu wegweisenden Entscheidungen durchringen. Die wichtigste Nachricht: Die große Mehrheit der 155 stimmberechtigten Mitglieder votierte dafür, dass der BSV einen Fünf-Jahres-Vertrag zur Miete der Fackelbau-Halle an der Ringstraße in Noithausen abschließen soll, um den beliebten Fackelzug am Schützenfest-Samstag auch in den kommenden Jahren zu sichern.

Weiterhin kamen die Brauchtumsfreunde überein, dass die dadurch entstehenden Mehrkosten von aufgerundet 24.000 Euro jährlich nur gedeckt werden können, wenn die Mitgliedsbeiträge erhöht werden. Aktive Schützen, die 27 Jahre oder älter sind, sollen künftig 50 Prozent mehr zahlen – also 150 statt bisher 100 Euro pro Jahr. Auch das ist seit Freitagabend beschlossene Sache.

Ganz geräuschlos gingen diese Entscheidungen aber nicht über die Bühne. Einige Schützen brachten ihre Skepsis gegenüber der Hallen-Anmietung zum Ausdruck. Manche wiesen darauf hin, dass die Halle im Winter praktisch ungenutzt bliebe. Andere wollten wissen, ob die aufgerundeten 2000 Euro Miete pro Monat (Nebenkosten inklusive) gegenfinanziert werden können – zum Beispiel durch eine Untervermietung der Halle an Wohnmobilbesitzer oder andere Vereine. Aus Reihen der Brauchtumsfreunde wurde sogar angeregt, den Dienstagabend beim Schützenfest abzuschaffen, um die Kosten wieder reinzuholen.

Auch mit der Erhöhung des Mitgliedsbeitrags zeigten sich längst nicht alle einverstanden: Viele hätten sich eine Anpassung um „nur“ 35 Prozent gewünscht, eine Minderheit wäre gern beim bisherigen Jahresbeitrag von 100 Euro geblieben. Die letzte Erhöhung hatte es vor sechs Jahren gegeben.

Anmietung wohl einmalige Gelegenheit für den Fackelbau

Dass mancher Tagesordnungspunkt bei der Versammlung für Gesprächsstoff sorgen würde, hatte man schon im Vorfeld erwartet. Zur Halle erklärte der am selben Abend im Amt bestätigte BSV-Präsident Detlef Bley, dass es die einzige Location dieser Größe sei, auf die der Verein aktuell Zugriff habe. Sie biete auf rund 270 Quadratmetern Platz zum Bau von insgesamt sieben Großfackeln. „Aber das gibt es nicht zum Nulltarif“, sagte Bley. Er warb gemeinsam mit dem ebenfalls wiedergewählten BSV-Schatzmeister Michael Fräßdorf für die Anmietung der Halle und berichtete von guten Gesprächen mit dem Vermieter.

Die Halle in Noithausen ist einigen Fackelbauern bereits bekannt. Denn die Stadt, die aktuell noch Mieterin des Objekts ist, gestattet es den Schützen, zumindest einen großen Teil zu nutzen. Sie soll aber deutlich signalisiert haben, dass es Zeit für einen Mieter-Wechsel wird: Die Stadt will aussteigen. Von den meisten Schützen, insbesondere dem Team um den Fackelbaubeauftragten Willy Helfenstein, wurde die Gelegenheit zur Miete als vielleicht einmalige Chance erkannt. Präsident Bley betonte, dass man sich in den vergangenen Monaten intensiv umgehört habe, bezahlbare Hallen in der Größe aber rar seien – vor allem in Innenstadt-Nähe.

Vorstand bevorzugt vorerst Miete statt Kauf

Auf die Frage, ob nicht auch ein Neubau eine Option sein könnte, sagte Bley, dass er das momentan für unrealistisch hält. Eine Miete sei auch deshalb sinnvoll, weil man den Fackelbau erst einmal „auf feste Füße“ stellen müsse. Eine Umfrage unter den Schützen hatte jüngst zwar gezeigt, dass fast alle den Fackelzug am Samstagabend als wesentlichen Teil des Schützenfestes schätzen und wahren wollen. Gemessen an der Mitgliederzahl des BSV ist die Bereitschaft, sich im Fackelbau einzubringen, allerdings eher gering. Immerhin: Sieben „frische“ Züge sollen Interesse daran bekundet haben, in den Fackelbau einzusteigen. Letztlich will der BSV-Vorstand abwarten, wie sich die Tradition in den kommenden Jahren entwickelt. Deshalb vorerst die Miete für ein paar Jahre.

Schatzmeister Fräßdorf sprach diesbezüglich von einem „geringen Risiko“. Gleichwohl dämpfte er Erwartungen, nach denen die Mietkosten leicht gegenfinanziert werden könnten: Die Halle werde das ganze Jahr über gebraucht, auch als Lager für Material und bereits fertige Fackeln, so der Tenor. Der BSV möchte sich nämlich von einem Unterstand in Laach trennen, weil dort die Bedingungen für den Fackelbau eher ungünstig sind. Auch muss der Verein laut Bley jederzeit damit rechnen, ein anderes Lager an der Rheydter Straße kurzfristig auflösen zu müssen. Pro Kopf soll die Halle Mehrkosten von etwa 35 Euro pro Jahr verursachen, wie Bley sagte.

Neue Beiträge auch für junge Schützen und passive Mitglieder

Theoretisch wären die Mietkosten also mit einem Jahresbeitrag von 135 Euro zu stemmen gewesen, die Mehrheit der Schützen wollte aber – auch mit Blick auf explodierende Musikkosten – noch etwas Luft nach oben haben und keinesfalls die eiserne Finanzreserve des BSV aufs Spiel setzen. Gemäß Votum steigen die Beiträge im Einzelnen wie folgt: Aktive Schützen, die 27 Jahre oder älter sind, sollen nun 150 statt 100 Euro zahlen. Bei Unter-27-Jährigen steigt der Beitrag von bisher 60 auf 80 Euro. Gleiches gilt für Passiven Vereinsmitglieder. Die Preise verstehen sich inklusive Eintrittsbändchen. Bei den Edelkindern bleibt der Beitrag unverändert bei zehn Euro.

Der BSV Stadtmitte hatte im Vorfeld der Jahreshauptversammlung Daten aus anderen Vereinen im Stadtgebiet erhoben. Demnach gibt es viele, die inzwischen von aktiven Mitgliedern Beiträge zwischen 120 und 150 Euro nehmen, manche gehen bis 155 Euro. Ein einzelner Verein ruft (mit großem Abstand zu allen anderen) gar einen Jahresbeitrag von 200 Euro auf.

Gastschützen ohne Anmeldung werden nicht geduldet

Eine weitere Zahl: Bei der Versammlung haben die Schützen mehrheitlich dafür gestimmt, dass der BSV künftig eine Schnuppermitgliedschaft für den Fest-Samstag und den -Sonntag zum Preis von 20 Euro anbieten soll. Der Hintergrund: Immer wieder erschleichen sich nicht angemeldete Gastschützen (teilweise komplette Züge) den Zutritt ins Zelt oder marschieren ohne Versicherungsschutz mit. Im vergangenen Jahr hatte es Bley zufolge Ärger am Rande des Fackelzugs gegeben, weil nicht angemeldete und angeheiterte Gastschützen nahe der Polizeiwache eine Hecke in Brand setzten. Der BSV will hier ab diesem Jahr klare Kante zeigen: Es soll verstärkte Kontrollen geben, auch im Zelt. Wer ohne Bändchen erwischt wird, fliegt raus.

Quelle: Christian Kandzorra / ngz-online.de | Foto: Jutta Wosnitza